Welche Themen die InnoTrans 2026 geprägt haben – und was sie für Systemlösungen, Fahrgastinterieur und die Rolle moderner Zulieferer

Vom 22. bis 25. September 2026 traf sich die internationale Bahn- und Verkehrsbranche zur InnoTrans in Berlin. Für die Weltleitmesse für Verkehrstechnik war es eine besondere Ausgabe: 30 Jahre nach der ersten InnoTrans im Jahr 1996 feierte die Messe ihr Jubiläum – und erreichte zugleich neue Bestmarken.
Rund 175.000 Fachbesuchende aus mehr als 120 Ländern kamen nach Berlin. 3.190 Aussteller aus 59 Ländern präsentierten ihre Produkte, Technologien und Entwicklungen in 42 Hallen und auf dem Außengelände. Auch SBF war gemeinsam mit LUNUX wieder auf der InnoTrans vertreten. Im Mittelpunkt unseres Messeauftritts standen Lösungen für Beleuchtung, Fahrgastinterieur und integrierte Baugruppen – und die Frage, wie aus unterschiedlichen technischen Anforderungen abgestimmte Systemlösungen für Schienenfahrzeuge entstehen.
Als die erste InnoTrans 1996 in Berlin stattfand, war die heutige Dimension der Veranstaltung kaum absehbar. Drei Jahrzehnte später zählt die Messe zu den wichtigsten internationalen Treffpunkten der Mobilitäts- und Bahnbranche.
Die Jubiläumsausgabe 2026 unterstrich diese Entwicklung: Neben den 3.190 Ausstellern und rund 175.000 Fachbesuchenden wurden 113 Fahrzeuge im Außengelände präsentiert. Insgesamt 180 Weltpremieren zeigten die technologische Bandbreite der Branche. Dabei standen nicht nur einzelne Fahrzeuge oder Produkte im Mittelpunkt. Themen wie künstliche Intelligenz, Digitalisierung, Automatisierung und neue Antriebstechnologien zeigen, wie umfassend sich Mobilität, Infrastruktur und Fahrzeugtechnik weiterentwickeln.
Die InnoTrans bleibt damit nicht nur eine Produktschau, sondern vor allem ein Ort für technischen Austausch, neue Entwicklungen und die gemeinsame Diskussion über zukünftige Anforderungen an den Schienenverkehr.
Die Bandbreite der InnoTrans reicht von Fahrzeugtechnik und Infrastruktur über Fahrgastinterieur bis hin zu digitalen Anwendungen und Instandhaltung. Gerade diese Verbindung unterschiedlicher Disziplinen macht sichtbar, wie komplex heutige Schienenfahrzeuge und die zugehörigen Systeme inzwischen geworden sind.
Neue Technologien müssen sich in bestehende Fahrzeugarchitekturen integrieren lassen. Mechanische, elektrische und digitale Komponenten greifen zunehmend ineinander. Gleichzeitig bleiben Anforderungen an Zuverlässigkeit, Wartbarkeit, Energieeffizienz, Variantenvielfalt und langfristige Verfügbarkeit bestehen. Für Hersteller und Zulieferer bedeutet das, Lösungen stärker im Zusammenhang des gesamten Fahrzeugs zu betrachten. Nicht nur das einzelne Bauteil entscheidet über die technische Qualität einer Lösung, sondern auch seine Integration, seine Schnittstellen und das Zusammenspiel mit angrenzenden Systemen.
Diese Entwicklung bildete auch einen Schwerpunkt unseres Messeauftritts auf der InnoTrans 2026. SBF entwickelt und fertigt seit vielen Jahren Lösungen für unterschiedliche Bereiche des Schienenfahrzeugs. Dabei geht es zunehmend darum, einzelne Funktionen und Komponenten zu abgestimmten Baugruppen und Systemen zusammenzuführen.
Ein Beispiel sind komplexe Innenraumverkleidungssysteme. Struktur- und Verkleidungselemente können hier mit Beleuchtung, Bedienelementen, Sensorik und elektrischen Komponenten innerhalb einer einbaufertigen Baugruppe verbunden werden. Auch Haltestangen und Trennwände entwickeln sich über ihre klassische Funktion hinaus. Beleuchtung und weitere technische Funktionen können direkt in die Bauteile integriert und an die jeweilige Einbausituation angepasst werden.
Flexible Beleuchtungslösungen wiederum ermöglichen es, Licht gezielt auf Geometrie, Bauraum und gewünschte Lichtwirkung abzustimmen. Dadurch wird Beleuchtung zu einem integralen Bestandteil des Fahrzeuginnenraums und nicht erst nachträglich ergänzt.

Der gemeinsame Nenner dieser Anwendungen liegt in der Systemintegration: Mechanische, elektrische und funktionale Anforderungen müssen bereits während der Entwicklung zusammengedacht werden.
Kundenspezifische Lösungen im Schienenfahrzeugbau entstehen selten aus einem bestehenden Standardprodukt allein. Fahrzeugplattform, Bauraum, Geometrie, Schnittstellen und technische Funktionen unterscheiden sich von Projekt zu Projekt. Der Ausgangspunkt ist deshalb die jeweilige Aufgabenstellung.
Bei SBF verbindet dieser Ansatz Projektmanagement, Entwicklung und Konstruktion mit den notwendigen Fertigungs- und Integrationsprozessen. Anforderungen können dadurch früh hinsichtlich technischer Machbarkeit, Fertigung und späterer Montage bewertet werden. Auf der InnoTrans wurde dieser Ansatz anhand unterschiedlicher Produkt- und Systemlösungen sichtbar – von Beleuchtungssystemen und Komponenten des Fahrgastinterieurs bis hin zu komplexen Baugruppen.

Ein konkretes Beispiel waren Gepäckablagen und Innenraumverkleidungen für den FLIRT Nordic Express von Norske tog. Solche Projekte zeigen, wie aus fahrzeugspezifischen Anforderungen Lösungen entstehen, bei denen Gestaltung, Funktion, Schnittstellen und Einbausituation gemeinsam betrachtet werden müssen.
Die Entwicklung komplexer Systemlösungen ist eng mit der Frage verbunden, wie diese später gefertigt und montiert werden können. Konstruktion, mechanische Bearbeitung, Schweißtechnik, elektrische Verarbeitung und Endmontage beeinflussen sich gegenseitig. Werden diese Bereiche bereits früh miteinander abgestimmt, lassen sich Schnittstellen reduzieren und Änderungen innerhalb eines Projekts schneller bewerten.
Eine hohe eigene Wertschöpfung unterstützt dabei kurze Abstimmungswege und eine direkte Prozesskontrolle. Gleichzeitig erhöht sie die Flexibilität bei kundenspezifischen Anforderungen und unterschiedlichen Stückzahlen. Welche Bedeutung Fertigungstiefe im Schienenfahrzeugbau dabei konkret hat, betrachten wir ausführlicher in unserem Beitrag „Fertigungstiefe bei Zulieferern im Schienenfahrzeugbau“.

Neben Neuentwicklungen bleibt auch der Umgang mit bestehenden Fahrzeugen und Systemen ein wichtiges Thema. Viele Schienenfahrzeuge befinden sich über Jahrzehnte im Einsatz. Während dieser Zeit verändern sich technische Anforderungen, Komponenten werden abgekündigt oder ursprüngliche Lösungen sind nicht mehr verfügbar.
Refurbishment und Ersatzlösungen verbinden deshalb bestehende Fahrzeugarchitekturen mit neuen technischen Möglichkeiten. Nicht mehr verfügbare Komponenten können ersetzt, Beleuchtungssysteme modernisiert und vorhandene Konstruktionen an heutige Anforderungen angepasst werden. Entscheidend ist dabei, bestehende Schnittstellen, Einbauräume und Gestaltungskonzepte zu berücksichtigen. Modernisierung bedeutet damit nicht zwangsläufig, ein vorhandenes System vollständig zu ersetzen, sondern es technisch sinnvoll weiterzuentwickeln.
Neben Produkten und Technologien gehört der direkte Austausch zu den wichtigsten Funktionen einer Messe wie der InnoTrans. Gerade im Schienenfahrzeugbau entstehen Lösungen häufig über lange Projektlaufzeiten und in enger Abstimmung zwischen Fahrzeugherstellern, Zulieferern, Entwicklungspartnern und Betreibern.
Die Gespräche auf der InnoTrans 2026 drehten sich deshalb nicht nur um einzelne Produkte. Im Mittelpunkt standen konkrete Anforderungen, laufende Projekte, technische Fragestellungen und mögliche neue Entwicklungen. Dieser persönliche Austausch bleibt auch in zunehmend digitalisierten Entwicklungs- und Fertigungsprozessen wichtig. Komplexe technische Zusammenhänge lassen sich häufig am besten gemeinsam am Bauteil, am System oder anhand einer konkreten Anwendung diskutieren.

Für uns waren diese Gespräche deshalb ein wesentlicher Bestandteil der vier Messetage in Berlin.
Die Jubiläumsausgabe der InnoTrans hat erneut gezeigt, mit welcher Dynamik sich die internationale Bahn- und Mobilitätsbranche entwickelt. Digitalisierung, Automatisierung, neue Antriebstechnologien und zahlreiche Weltpremieren machten den technologischen Wandel sichtbar. Gleichzeitig zeigte sich auch im Fahrzeuginnenraum, dass technische Systeme immer stärker miteinander verbunden werden.
Für Zulieferer bedeutet diese Entwicklung, einzelne Komponenten zunehmend im Kontext des gesamten Fahrzeugs zu betrachten. Entwicklungs-, Fertigungs- und Integrationskompetenz müssen dabei eng zusammenspielen.
Auch für SBF war die InnoTrans 2026 deshalb mehr als eine Präsentation bestehender Produkte. Die vier Messetage boten die Möglichkeit, konkrete Anforderungen zu diskutieren, Entwicklungen zu zeigen und gemeinsam mit Kunden und Partnern über zukünftige Lösungen für den Schienenfahrzeugbau zu sprechen.
Nach vier intensiven Messetagen geht dieser Austausch nun in den Projekten weiter – und der Blick richtet sich bereits auf die nächste InnoTrans 2028.
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